Studien des DZSKJ zum Thema Mediensucht

Studie 1: „Beratungs- und Behandlungsangebote zum pathologischen Internetgebrauch in Deutschland“

In der durch das BMG geförderten Studie wurde im Jahr 2009 eine Untersuchung durchgeführt, die erste Erkenntnisse zur Angebotsstruktur von Beratung und Behandlung der Mediensüchte in Einrichtungen der Krankenversorgung und Suchthilfe in Deutschland sowie deren Entwicklungsbedarf aufgezeigt hat (Petersen & Thomasius, 2010). Auf der Homepage www.computersuchthilfe.info sind adressatenspezifische Informationen aus dieser Studie online erhältlich.

Studie 2: „Exzessive Internetnutzung in Familien“ (EXIF)

Die Untersuchung wurde in Kooperation mit dem Arbeitsbereich Medienpädagogik und Ästhetische Bildung der Fakultät für Erziehungswissenschaft (Universität Hamburg) durchgeführt und mit Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Die Datenerhebung erfolgte durch ein Marktforschungsinstitut bundesweit direkt in Familien. Die zentralen Fragestellungen bezogen sich auf die Häufigkeit einer problematischen Internetnutzung im Jugendalter und Zusammenhänge zu familialen Aspekten. Es wurde eine für Deutschland repräsentative (Quoten-)Stichprobe von 1744 Familien-Dyaden (jeweils ein Jugendlicher im Altersbereich von 14 bis 17 Jahren und ein dazugehöriges Elternteil) mit Face-to-Face-Interviews untersucht. Insgesamt 3.2% der Jugendlichen wiesen einen problematischen Internetgebrauch auf. Es zeigten sich außerdem Zusammenhänge zwischen einer generellen schlechteren Funktionalität der Familie und einer höheren Ausprägung einer problematischen Internetnutzung. Familiäre Aspekte scheinen also eine wichtige Rolle für problematischen Internetgebrauch im Jugendalter zu spielen.

Studie 3: „Problematische Internetnutzung im Jugendalter aus Sicht der Eltern“

Die Studie wurde mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit gefördert. Die Datenerhebung erfolgte bundesweit telefonisch durch ein Markt- und Meinungsforschungsinstitut. Die zentralen Fragestellungen bezogen sich darauf, wie hoch die Prävalenz eines problematischen Internetgebrauchs im Jugendalter nach Einschätzung der Eltern ist und welche familiären Aspekte aus Elternsicht damit assoziiert sind. Es wurde eine für Deutschland repräsentative Stichprobe von 1000 Eltern (die mit einem Kind oder Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren zusammenlebten) in telefonischen Interviews befragt. Nach Einschätzung der Eltern zeigten 4.7% der deutschen 12- bis 17-Jährigen einen problematischen Internetgebrauch. Es ergaben sich aus Elternsicht die stärksten statistischen Zusammenhänge zwischen schlechterer Funktionalität der Familie und einer höheren Frequenz von Konflikten zwischen Eltern und ihren Kindern wegen der Internetnutzung. Diese Studie zeigt erneut die hohe Bedeutung der familiären Interaktionen für einen jugendlichen problematischen Internetgebrauch.

Studie 4: „Prävalenz von Internet Gaming Disorder in einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe von 12- bis 25-Jährigen“

Die Untersuchung wurde mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit gefördert. Die Datenerhebung (Online-Befragung) erfolgte bundesweit durch ein Markt- und Meinungsforschungsinstitut. Die zentralen Fragestellungen bezogen sich auf die Häufigkeit der neuen DSM-5-Forschungsdiagnose „Internet Gaming Disorder“ (problematische Nutzung von Online- und Offline-Computerspielen) bei 12- bis 25-Jährigen in Deutschland und Zusammenhängen dieses Verhaltensmusters mit psychosozialen Aspekten. Eine für Deutschland repräsentative Stichprobe von insgesamt 1531 Personen zwischen 12 bis 25 Jahren wurde untersucht. Es ergab sich für die neue Diagnose einer Internet Gaming Disorder eine Prävalenz von 5.7% in der untersuchten Altersgruppe (männliche Personen waren deutlich häufiger betroffener als weibliche). Es zeigten sich statistisch signifikante Assoziationen zwischen Internet Gaming Disorder und männlichem Geschlecht, niedrigerem Lebensalter und Vernachlässigung sozialer Kontakte wegen der Computerspielnutzung.

Studie 5: „WhatsApp, Instagram und Co. – so süchtig macht Social Media“

Die Untersuchung wurde mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit gefördert. Die Datenerhebung (Online-Befragung) erfolgte bundesweit durch ein Markt- und Meinungsforschungsinstitut. Untersucht wurden die Nutzungsintensität sowie die mit der Nutzung verbundenen Auswirkungen von sozialen Medien bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Erstmals sind diese Aspekte des Mediengebrauchs anhand einer für Deutschland repräsentativen Stichprobe (N=1001) erfragt worden. Zu sozialen Medien wurden Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Snapchat, soziale Netzwerkseiten wie Facebook oder Instagram sowie Foren und Blogs oder Web-Blogs gezählt. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass die große Mehrheit (85%) der 12- bis 17-Jährigen soziale Medien jeden Tag nutzt. Die tägliche Nutzungsdauer beträgt über alle befragten Altersgruppen hinweg im Durschnitt knapp drei Stunden (166 Minuten). Die meiste Zeit verbringen die Kinder und Jugendlichen mit der Nutzung von WhatsApp (66%), gefolgt von Instagram (14%) und SnapChat (9%). In der Studie erfüllen 2,6% der 12- bis 17-Jährigen die Kriterien einer Social Media Disorder. Laut Befragung nutzt jeder Dritte (34%) soziale Medien, um nicht an unangenehme Dinge denken zu müssen. Die Anwendung findet zudem bei 14% der Kinder und Jugendlichen heimlich statt. In der Gesamtstichprobe zeigen 8,2% der Kinder und Jugendlichen eine depressive Symptomatik. In der Gruppe derjenigen, die die Kriterien für eine Social Media Disorder erfüllen, wurden von jedem Dritten depressive Symptome berichtet.

Studie 6: „Geld für Games – wenn Computerspiel zum Glücksspiel wird“

Die Untersuchung wurde mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit gefördert. Die Datenerhebung (Online-Befragung) erfolgte bundesweit durch ein Markt- und Meinungsforschungsinstitut. Zentrale Fragestellungen dieser Studie waren die Folgenden: Wie viel Geld geben Jugendliche in Deutschland für die Anschaffung von Computerspielen und deren Ausgestaltung aus? Welche Suchtgefährdung zeigen Jugendliche, die regelmäßig Computerspiele nutzen? Wie unterscheiden sich regelmäßige Nutzer mit unauffälligem Konsum von denen mit riskantem bzw. abhängigem Konsum? Eine Repräsentativstichprobe mit 1000 Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren wurde mittels computergestützter Telefoninterviews (CATIs) zu ihrem Computerspielverhalten befragt. 72,5% der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren in Deutschland spielen mindestens einmal wöchentlich Computerspiele. 15,4% der regelmäßigen Gamer (N=112) zeigen riskantes oder pathologisches Spielverhalten im Sinne einer Computerspielstörung. Sie berichten häufiger emotionale und Verhaltensprobleme als unauffällige Gamer. Mehr als die Hälfte (52%) der regelmäßigen Gamer (89% Jungen) gab im Zeitraum von sechs Monaten vor der Befragung Geld für die Anschaffung von Spielen oder für Extras aus (N=380). Im Mittel lagen die Ausgaben bei EUR 110,65. Publikationen und Verbandstätigkeit zum Thema Pathologischer Mediengebrauch. In wissenschaftlichen Abhandlungen wurde von Wissenschaftlern/innen des DZSKJ der aktuelle Forschungsstand zu Fragen der Klassifikation, Diagnostik, Prävalenz, psychischen Belastung und Komorbidität sowie der Ätiopathogenese und der Therapieansätze des pathologischen Mediengebrauchs bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen vor dem Hintergrund systematischer Literaturanalysen dargestellt (z.B. Petersen et al., 2009; Petersen & Thomasius, 2010; Thomasius et al., 2012; Thomsen & Bröning, 2013; Rehbein et al., 2013; Thomasius et al. 2014, Wartberg et al. 2011, 2012, 2014, 2015, 2016).

R. Thomasius und N. Arnaud sind Mitglieder der „Expertengruppe Verhaltenssucht“ der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), die in Positionspapieren und Publikationen in einschlägigen Fachzeitschriften die Grundlagen, Diagnostik, Therapie und Prävention behandelt und bewertet hat. R. Thomasius und N. Arnaud waren als Redakteure bei der aktuellen deutschsprachigen Übersetzung des DSM-5, Kapitel Substanzgebrauchsstörungen und nicht-substanzgebundene Süchte tätig. R. Thomasius ist Mitglied der „Expertengruppe Medienbezogene Störungen“ bei der Drogenbeauftragten der Bundesregierung im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie Mitglied der Expertengruppe für die Erstellung der AWMF-S1 Behandlungsleitlinie „Medienbezogene Störungen“. Die Suchtkommission der kinder- und jugendpsychiatrischen Fachgesellschaft und Verbände (DGKJP, BAG KJPP, BKJPP) hat unter dem Vorsitz von R. Thomasius ein Positions- und Evidenzpapier zu den medienbezogenen Störungen herausgegeben.